Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

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Lockheed
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Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

Beitrag von Lockheed » 29.08.2011 12:21:44

Hier ein Artikel von Spiegel Online 28.08.2011:
Sicherer, komfortabler, besser - das alles sollte das neue Kanzlerinnenflugzeug sein. Doch kaum ist die Maschine im Einsatz, gibt es Ärger: Weil sich die Pannen häuften, fordert Angela Merkel Nachbesserungen. Und fliegt so lange lieber mit einer alten DDR-Maschine.

Hamburg - Die gerade erst modernisierte Flotte der Luftwaffen-Flugbereitschaft sorgt im Kanzleramt für Verärgerung. Nach zahlreichen Pannen fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Verteidigungsministerium Nachbesserungen.

Ihren Unmut äußerte die Kanzlerin, nachdem kürzlich in Frankreich ein Reifen geplatzt war und sich nun auch noch herausstellte, dass die auf den Namen "Konrad Adenauer" getaufte Kanzlermaschine nicht weltweit auf jedem Flughafen landen kann. Auf einigen Airports ist die Landebahn zu kurz.

Dabei hatte die Regierung hohe Erwartungen in die Maschine vom Typ Airbus A340 gesteckt. Vorbei sein sollten die Zeiten, als Regierungsmitglieder dauernd zwischenlanden mussten, weil der Sprit nicht reichte. Das neue Flugzeug kann mit einer Reichweite von 13500 Kilometern nonstop von Berlin nach Rio oder Peking fliegen. Zum Schutz vor Terrorattacken wurde es außerdem mit einem Raketenabwehrsystem ausgestattet .

Doch das alles hilft nicht, wenn man damit nicht landen kann. Deshalb soll nun die alte, 1990 aus DDR-Beständen übernommene Kanzlermaschine länger in Betrieb bleiben, heißt es im Verteidigungsministerium.
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 57,00.html" target="_blank" target="_blank"

Da der Artikel viel vereinfacht und damit verfälscht, gibt es viele Kommentare von (Möchtegern-) Fachleuten, einen der Kommentare habe ich unten kopiert. Vielleicht kennt einer von euch ja noch mehr Hintergründe.


Kommentar #64:
Klare luftfahrttechnische Fakten sind hier von Nöten...

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... und nicht das unnnütze Gesabbel von Nichtwissern :

Luftfahrttechnische Fakten listen sich wie folgt.
(Vieleicht sollte Spiegel mal vorher bei der FLUG REVUE Redaktion anfragen...)

1) Es geht nicht ums LANDEN, denn da ist in Normalfall der gesamte Treibstoff verbraucht (Bis auf IATA Notredervevorschrift) das Flugzeug somit leicht.
Ein A340-300, auch im umgebauten Zustand der Flugbereitschafts-Maschine reicht somit eine 2500m Landebahn, die in 100% aller Hauptstadtflughäfen der Welt vorhanden ist ! (Nun ja, vieleicht nicht auf den Kurilen oder Luxemburg...)

2) Es geht hier ausschlisslich um den START, um NONSTOP 13.400Km (max. Reichweite des A34-300) zurück nach Berlin fliegen zu können, mit der gesamten Journasille und den Wirtschaftsbossen an Bord...

Daher :
Vollbetankt (maximale Reichweite, maximales Ladegewicht mit allen Zusatzeinbauten (Raketenabwehr etc.) wiegt der Kanzler A340 geschätzt ca. 273 t (Regulär wiegt eine A30-300 max. 276 t)
Regulär ist dafür eine STARTbahn von 3000m Länge notwendig.
Diese ist in ca. 80% aller Flughäfen der Hauptstädte dieser Erde auch vorhanden !
Die Staaten, die so etwas nicht haben, sind wohl eher uninteressant...

3) Die "Air Force One" der U.S. Air Force kann dshalb möglicherweise weltweit überall starten und landfen , da sie in der Luft betankt werden kann und der tanker IMMER mitfliegt, falls bei einer Auslandsreise des US Presidenten der 3te Weltkrieg ausbricht oder sonstiges Ungemach droht, er erstmal mind. 24-48h ununterbrochen in der Luft bleiben kann (praktiziert seit dem 11.September 2011 Terrorakten...)

Somit ist die Startreibstoffmenge ertsmal unwichtig und es reicht 2500m zum Abheben (z.B. Rostock Laage, Weltwirtschaftsgipfel vor ein paar Jahren)

4) Es geht der Kanzlerin wohl weniger um die Tatsache, dass Sie nicht von überall STARTEN könnte, sondern wohl darum, dass die von LH Technik aufwendig umgebauten A340 noch einige Störungen haben (Bei Fast-Neubauten nichts ungewöhnliches)
So dumm , dass sie die benötigte die Landebahnlänge nicht gewusst hätte, ist Frau Merkel als Physikerin wohl nicht - DER SPIEGEL glaubt das nur gerne und verbreitet es so...

5) Die "alten" A310 sind zwar für zivile Ansprüche alt (Durchschnitt LH = ca. 5 Jahre), militärisch aber noch jung (Nutzung Transall= 45 Jahre !) und durch lange Jahre Nutzung und Kenntnisse eben sehr zuverlässsig.

Fazit :
Ich stelle immer wieder fest, dass es den Nachrichtenmagazinjournalisten, gleich welcher politischer Coleur, an (militär)technischen Fachwissen mangelt, welcher dann durch populistische Schlagzeilenmacherei zur Verdummung der Leser führt (selbiges z.B. bei der Berichterstattung über Nuklearenergienutzung in D)

--> Setzen , Sechs !!

Ich stehe hier gern dem SPIEGEL zur Verfügung, falls Sie hierfür einen freien Mitarbeiter benötigen ;-)

gez. P.G. (seit 35 Jahren mit Luftfahrt -und Militärtechnik als Hobby)

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Re: Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

Beitrag von Ted Striker » 29.08.2011 12:47:33

Hallo,

dann soll Frau Merkel bitte auf einen ihrer beiden Airbus 319 ausweichen die eine für die Erfordernisse von Frau Merkel sicherlich in den allermeisten Fällen ausreichende Reichweite haben (welche durch Abwurf der Notrutschen bei Zwischenstopps noch erweitert werden kann :D ) und mit den allermeisten Landebahnen "auskommen" dürfte.

Meiner Meinung nach soll Frau Merkel und Herrn Wulff ruhig ein Regierungsflieger in Form eines A319 zur Verfügung stehen; für den ganzen Begleittroß jedoch tut´s auch ein Charterflugzeug von LH oder dgl.

Und dass ein kleiner Regierungsflieger durchaus weit fliegen kann, beweist z.B. der BBJ der südafrikanischen Regierung regelmäßig:
Dieser war ja auch schon in HH zu sehen und hat Johannesburg - Kopenhagen nonstop "geschafft".

Die beiden A340 halte ich hier für ein wenig "zu protzig".
Ich glaube übrigens, dass der britische Premierminister auf Langstrecken mit BA fliegt!?

Grüße,
André

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Re: Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

Beitrag von Timur » 29.08.2011 17:06:14

Die Chinesen hatten bislang immer Air China Maschinen genommen. Aber ich meine gehört zu haben, dass sich das auch ändert (aber nix Genaues weiß ich nicht).

Es ist sicherlich nicht völlig verkehrt, wenn die Regierung eigene Flieger hat; auch nicht, wenn es große Maschinen sind. Meines Wissens muss der Großteil des Begleit-Trosses auch ordentlich zahlen, um im Regierungsflieger mitreisen zu dürfen.

Allerdings würde ich gerne mal wissen, wie oft im Jahr das Ding wirklich gebraucht wird. Wenn man die A340 nur ein, zwei Mal pro Monat nutzt, würde ich die Anschaffung zumindest für sehr fragwürdig halten.

Da Frau Merkel schon länger mehr nicht in unserer Realität existiert, sollte man sich nicht über Ihre (angeblichen) Meinungen zum A340 wundern. Mich wundert ihre politisches Handeln (und das NICHT-Handeln) ja auch nicht mehr...

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Re: Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

Beitrag von paraglider » 29.08.2011 23:11:24

Der Kommentator mit seinen 35 Jahren Hobby-Erfahrung scheint mir in manchen Belangen ein Wichtigtuer und Erbsenzähler zu sein. Landen kann man (zuweilen soger weitgehend unbeschadet) ein Flugzeug sogar im Hudson River. Nur mit dem wieder weg fliegen hapert es dann. Was der Spiegel-Autor mit "doch das alles hilft nicht, wenn man damit nicht landen kann" sagen will, dürfte ansonsten jedem Leser klar sein; auch wenn es in der Hauptsache ums wieder abheben geht.

Und da muss man sich wirklich wundern. Wieso kauft jemand ein Flugzeug, dessen Einsatzmöglichkeiten vorab hinlänglich bekannt sind, und merkelt dann später rum?
Wenn das auch nur halbwegs stimmt was der Spiegel-Redakteur da schreibt, dann waren mal wieder ganz schlimme Dilletanten am Werk. Wundern täte es mich allerdings nicht...


Vielleicht spendet die Frau Dr. der Physik mit ihrem "Noch-Aussen-Guido" die 340er ja als Entwicklungshilfe an einen Drittweltstaat, der sich sonst kein eigenes Regierungsflugzeug leisten kann. Dann gäbe es wenigstens die an LHT gezahlte Mehrwertsteuer zurück und eine Spendenquittung noch dazu. :wink:
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Re: Merkel hadert mit ihrem Super-Flieger

Beitrag von Linie 9 » 30.08.2011 00:10:13

Für mich ein schönes Beispiel des immer-weniger-Wissens.
Wenn wir schon in Ohlsdorf modern, wird es noch schlimmer sein.

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