United-Vorfall in Chicago

Allgemeine Themen rund um die Luftfahrt, z.B. Historisches, Zukunftsperspektiven, Spekulationen etc - nicht nur auf HAM & XFW bezogen

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United-Vorfall in Chicago

Beitragvon EK60 » 12.04.2017 09:14:49

Ich bin mal gespannt, was mit der United-Verb. nach der Negativ-PR-Aktion vom letzten Wochenende passiert... :roll:
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon LevHAM » 12.04.2017 15:11:12

EK60 hat geschrieben:Ich bin mal gespannt, was mit der United-Verb. nach der Negativ-PR-Aktion vom letzten Wochenende passiert... :roll:


Die Aktie hat einen schönen drop hingelegt, seitdem das passiert ist Mal eben fast eine dreiviertel Milliarde Marktkapitalisierung weg.
Dass das aber nun so langfristige Auswirkungen auf unsere Verbindung haben wird, glaube ich weniger. Außer die Presse bläht das noch weiter richtig auf.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon EK60 » 12.04.2017 17:49:43

Schauen wir mal, mir sind schon 3 Unternehmen bekannt, die ihre Flüge ab sofort unter keinen Umständen mehr bei United buchen, auch wenn andere Varianten teurer sind.
Im übrigen denke ich nicht, dass die Presse hier etwas 'aufbläht', dafür hat einzig und allein United in unfassbarer Weise gesorgt
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Alster68 » 12.04.2017 20:00:33

EK60 hat geschrieben:Im übrigen denke ich nicht, dass die Presse hier etwas 'aufbläht', dafür hat einzig und allein United in unfassbarer Weise gesorgt


Doch! Die Reaktionen sind übertrieben und es ist viel zu kurz gedacht, eine Airline wegen des ungebührlichen Verhaltens eines einzelnen Mitarbeiters zu verfluchen und zu boykottieren. Ein solchen Vorfall hätte es - rein theoretisch - bei jeder anderen Airline ebenfalls geben können.

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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 12.04.2017 22:33:39

Alster68 hat geschrieben:Die Reaktionen sind übertrieben und es ist viel zu kurz gedacht, eine Airline wegen des ungebührlichen Verhaltens eines einzelnen Mitarbeiters zu verfluchen und zu boykottieren.

Im Gegenteil - es ist viel zu kurz gedacht, diesen Vorfall auf das Fehlverhalten eines einzelnen Mitarbeiters zu reduzieren.

Denn zunächst mal war der Prügel-Cop gar kein UA-Mitarbeiter. Aber dass es überhaupt zum Showdown zwischen ihm und dem Passagier kam, lag daran, dass eine ganze Reihe UA-Mitarbeiter konsequent die Richtlinien ihres Unternehmens befolgt haben, wie in solchen Fällen zu verfahren ist.

Ich hatte gerade vorhin noch eine längere Konversation mit einem Freund, der bei UA arbeitet. Und dort ist man intern nach wie vor empört über die der eigenen Meinung nach unfaire Behandlung durch die Öffentlichkeit, da man sich in diesem Fall völlig im Recht wähnt.

Das Problem sitzt also weit tiefer als nur im Verhalten eines einzelnen Mitarbeiters.

EK60 hat geschrieben:mir sind schon 3 Unternehmen bekannt, die ihre Flüge ab sofort unter keinen Umständen mehr bei United buchen, auch wenn andere Varianten teurer sind

Kannst Du sagen, welche? Denn dass genau sowas jetzt passiert, glaubt man bei UA auch nach wie vor nicht.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 12.04.2017 22:54:51

Nachtrag - so viel zum Thema "Einzelfall": http://www.latimes.com/business/lazarus ... story.html

Immerhin verprellen sie nicht nur das Fußvolk hinten im Flieger. Auch mit einem Full-Fare First Class Ticket werden einem Handschellen angedroht, wenn man den gebuchten Platz nicht wieder für jemand wichtigeres räumt.

Ein amerikanischer Freund aus der Reise-Branche kommentiert dazu:
United suffers a long legacy of toxic employee-management relationships. Stories like this are also the result of years of management by bean counters who put carrots and sticks into policy for saving the company money, at the cost of its reputation. Employees have very little room to make autonomous decisions. Even if they did, they would be beaten down for costing the company money. Not enough monetary value is placed on reputation... until the stock price goes south.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon EK60 » 13.04.2017 00:26:51

Zak hat geschrieben:
Alster68 hat geschrieben:Die Reaktionen sind übertrieben und es ist viel zu kurz gedacht, eine Airline wegen des ungebührlichen Verhaltens eines einzelnen Mitarbeiters zu verfluchen und zu boykottieren.

Im Gegenteil - es ist viel zu kurz gedacht, diesen Vorfall auf das Fehlverhalten eines einzelnen Mitarbeiters zu reduzieren.

Denn zunächst mal war der Prügel-Cop gar kein UA-Mitarbeiter. Aber dass es überhaupt zum Showdown zwischen ihm und dem Passagier kam, lag daran, dass eine ganze Reihe UA-Mitarbeiter konsequent die Richtlinien ihres Unternehmens befolgt haben, wie in solchen Fällen zu verfahren ist.

Ich hatte gerade vorhin noch eine längere Konversation mit einem Freund, der bei UA arbeitet. Und dort ist man intern nach wie vor empört über die der eigenen Meinung nach unfaire Behandlung durch die Öffentlichkeit, da man sich in diesem Fall völlig im Recht wähnt.

Das Problem sitzt also weit tiefer als nur im Verhalten eines einzelnen Mitarbeiters.

Das sehe ich genauso, Zak. Hier geht es nur am Rande um vielleicht 1 oder 2 einzelne MA von United, die dort direkt beteiligt waren. Vielmehr scheint die Unternehmensführung hier so einiges überhaupt nicht verstanden zu haben, dies ist ja auch an der ersten Reaktion von Mr. Munoz zu sehen, der offensichtlich anfangs gar nicht die Tragweite dieser Geschichte begriffen hat. Erst der miserable Börsenkurs hat ihm dann auf die Sprünge geholfen. (oder war es vielleicht doch das Video von Emirates dazu ?? https://www.youtube.com/watch?v=aEevyPse3f8 )

Nach dieser Nummer zu glauben, man wäre im Recht, zeugt schon von reichlich Realitätsverlust. Aus Sicht der Paragrafen mag das ja noch stimmen, aber das ist nunmal nicht die ganze Wahrheit

Zak hat geschrieben:
Alster68 hat geschrieben:
EK60 hat geschrieben:mir sind schon 3 Unternehmen bekannt, die ihre Flüge ab sofort unter keinen Umständen mehr bei United buchen, auch wenn andere Varianten teurer sind

Kannst Du sagen, welche? Denn dass genau sowas jetzt passiert, glaubt man bei UA auch nach wie vor nicht.

Namen kann ich hier leider nicht nennen, aber es sind keine kleinen Unternehmen. Allerdings ist der HAM-EWR-Flug davon nicht betroffen, dieser wird bereits seit längerem dort nicht mehr gebucht, da er von zu vielen techn. bedingten Ausfällen/Verspätungen betroffen ist/war und zu 757-Zeiten die Tankstopps, die immer mal wieder in Kanada stattgefunden haben, nicht mehr akzeptabel waren.
Aber diese Entscheidungen gibt es nicht nur in Unternehmen, ich kenne auch privat einige Leute, die nach dieser Geschichte einen Bogen um United machen und in ihren Entscheidungen so konsequent sind, dass sie nicht bei 50 oder 100 Euro Preisunterschied sofort wieder einknicken.

Klar kann man sich nun die Frage stellen, wie lange diese Entscheidungen am Ende wirklich beibehalten werden und von wievielen Kunden sie wirklich getroffen wird. Aber zu glauben, dass ein solches Fehl-Verhalten keine AUswirkungen (kurz- und langfristig) auf das Buchungsverhalten der Kunden hat, ist schon reichlich weltfremd und irgendwie auch dumm.

Am Ende ist es relativ einfach: wenn dem Kunden, der nunmal König ist, anschaulich in einem Video präsentiert wird, wie ein Passagier ohne eigenes Verschulden auf Anweisung der Airline wie ein Terrorist aus dem Flieger geprügelt und gezerrt wird, und das nur weil erstens die Airline nicht vorher am Gate das Thema Überbuchung geregelt bekommt und ihr zweitens offensichtlich der Transport eigener MA wichtiger ist als der Transport ihrer Kunden, dann geht das ordentlich nach hinten los... denn einem guten Teil der Kunden wird hier schnell klar, dass hier nicht ein einzelner United-MA einen extrem schlechten Tag hatte, sondern dies offenbar Unternehmens-Richtlinie ist.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Alster68 » 13.04.2017 01:18:41

Zak hat geschrieben:Denn zunächst mal war der Prügel-Cop gar kein UA-Mitarbeiter. Aber dass es überhaupt zum Showdown zwischen ihm und dem Passagier kam, lag daran, dass eine ganze Reihe UA-Mitarbeiter konsequent die Richtlinien ihres Unternehmens befolgt haben, wie in solchen Fällen zu verfahren ist


Ja, so ist das wohl gelaufen. Aber was bitte soll man von den Angestellten erwarten? Sie können nur ihre Anweisungen beachten. Ich wage immer
noch zu behaupten, das ein solcher Vorfall bei jeder anderen Fluggesellschaft vorkommen könnte. Überbuchte Flieger gehören zur Tagesordnung. Hier wurden m.E. zwei Fehler begangen: 1. Die ganze Geschichte hätte sich noch am Gate erledigen müssen, 2. Die Prämie/Wiedergutmachung hätte solange erhöht werden müssen, bis sich tatsächlich ein Freiwilliger gefunden hätte. Aber was wenn, ausgerechnet in O´Hare und das womöglich noch zur Stoßzeit, keiner am C/I in der Lage war eine solche Entscheidung zu treffen?

United bekommt jetzt mal so richtig einen verbraten! Gut so, es fallen mir einige Unternehmen, in fast allen Branchen ein, die so etwas ebenfalls nötig hätten. Der (positive) Effekt trifft dabei nicht nur zukünftige UA-Paxe, sondern Passagiere aller Gesellschaften. Trotzdem halte ich es für absoluten Unsinn aufgrund diesen Vorfalls in keinen UA-Flieger mehr zu steigen.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon LevHAM » 13.04.2017 06:36:42

EK60 hat geschrieben:Am Ende ist es relativ einfach: wenn dem Kunden, der nunmal König ist, anschaulich in einem Video präsentiert wird, wie ein Passagier ohne eigenes Verschulden auf Anweisung der Airline wie ein Terrorist aus dem Flieger geprügelt und gezerrt wird, und das nur weil erstens die Airline nicht vorher am Gate das Thema Überbuchung geregelt bekommt und ihr zweitens offensichtlich der Transport eigener MA wichtiger ist als der Transport ihrer Kunden, dann geht das ordentlich nach hinten los... denn einem guten Teil der Kunden wird hier schnell klar, dass hier nicht ein einzelner United-MA einen extrem schlechten Tag hatte, sondern dies offenbar Unternehmens-Richtlinie ist.


Soweit ich weiß, war es sehr kurzfristig nötig, dass diese​ Crew auf die Maschine muss. Da war das Boarding schon im Gange. Alle bis auf einen konnten auf die restlichen Sitze und Jumpseats verteilt werden. Es ist so, dass Deadhead Crews die allerhöchste Priorität haben, vor jedem Passagier mit noch so hoher Buchungsklasse und noch so funkelnder schwarzer Karte.

Das ist eine Situation gewesen, die nur von einer hoch entscheidungsbefugten Person für den Kunden hätte zufriedenstellend gelöst werden können. Das sind aber meist jene, die weitab der täglichen Schlacht an der Front nicht greifbar sind und in solchen Situationen erst Recht nicht. Die Mitarbeiter vor Ort, die direkten Vorgesetzten und alle involvierten mussten also selber entscheiden, ob sie den Kunden rausschmeißen lassen oder gegen die Unternehmensrichtlinien verstoßen und wohl einen großen unmittelbaren finanziellen Schaden damit verursachen. Jene Crew sollte ja aus einem Grund unbedingt auf diesen Flug, da hätte es dann wahrscheinlich einen Ausfall gegeben.

Wenn die so entschieden hätten, dass die Crew draußen bleibt, gäbe es nun wohl mächtig Ärger für betreffende Mitarbeiter, da ja niemand gewusst hätte, was die andere, "richtige" Alternative für eine Lawine und größeren finanziellen Schaden verursacht hätte.

Ich bin aber auch der Meinung, dass diese Situation bei jeder Airline hätte auftreten können und das Resultat wäre dabei meistens das gleiche gewesen.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 13.04.2017 09:32:11

Nein, das sehe ich etwas anders. Es ist zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dass so etwas auch bei anderen passieren könnte. Aber die internen Abläufe und Richtlinien, nach denen die Angestellten handeln müssen, sind bei UA deutlich starrer als bei anderen Airlines und lassen Mitarbeitern keinerlei Handlungsfreiheit. Das begünstigt solche Situationen.

LevHAM hat geschrieben:Soweit ich weiß, war es sehr kurzfristig nötig, dass diese​ Crew auf die Maschine muss. Da war das Boarding schon im Gange. Alle bis auf einen konnten auf die restlichen Sitze und Jumpseats verteilt werden. Es ist so, dass Deadhead Crews die allerhöchste Priorität haben

Nicht ganz.

Der Flug war überbucht, und man hat schon am Gate nach Freiwilligen gesucht (und gefunden), die gegen Geld bereit waren, den Flug nicht anzutreten.

Die Crew tauchte dann erst auf, nachdem das Boarding bereits im Gange war. Was die Frage aufwirft, warum so spät. Bei einem einzelnen Mitarbeiter kann ich es noch verstehen. Bei einer kompletten Crew hat da jemand gewaltig gepennt, und jetzt sollen die Kunden es ausbaden.

Zumal es andere Möglichkeiten gegeben hätte. Sowohl DL als auch AA hatten den Tag noch Flüge nach Louisville, und keiner dieser Flüge war voll. Tickets hätten dort um die $250 das Stück gekostet. Für gerade mal $1000 hätte man die Situation also lösen können. Es ist aber nicht UA-Policy, Kunden oder Crew auf andere Airlines zu buchen.

Und notfalls hätte man auch einen Kleinbus mitsamt Fahrer anmieten können, um die Crew nach Loiusville zu fahren. Die Fahrtzeit liegt bei unter 4 Stunden, das wäre also absolut zumutbar gewesen und hätte vermutlich ca. $750 gekostet. Auch das ist aber nicht UA-Policy.

Statt dessen lässt man lieber zahlende Kunden aus dem Flieger entfernen. Notfalls auch mit Gewalt.

Ich kann verstehen, wenn Leute so einer Airline deshalb den Rücken kehren. Zumal bei UA intern nach wie vor keine wirkliche Einsicht vorhanden ist, hier etwas falsch gemacht zu haben.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 13.04.2017 10:26:23

Passend zum Thema - der Passagier bereitet jetzt eine Klage vor: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/uni ... 43174.html

So weit wenig überraschend, aber bemerkenswert finde ich zwei Nebensätze in dem Artikel:

(United-CEO) Munoz ... sprach ... von einem "Systemfehler". United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren "gesunden Menschenverstand" zu benutzen.

Das ist bei anderen US-Airlines inzwischen besser. AA und insbesondere DL haben bereits vor Jahren angefangen, interne Abläufe umzukrempeln, um dem Passagier gegenüber besser auszusehen. Dazu gehört es auch, Angestellte mit gewissen Entscheidungskompetenzen auszustatten, auch um ihre Motivation und ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber zu verbessern.

UA hat das komplett verpennt.

Und:
Kurz nach dem Vorfall hatte Munoz das Vorgehen der United-Mitarbeiter noch verteidigt.

Was die interne Einstellung bei UA relativ exakt wiedergibt. Der CEO hat inzwischen verstanden, dass man damit ab jetzt aber wohl nicht mehr durchkommt. Bei den Mitarbeitern ist die Message aber noch lange nicht angekommen. Da zitiert man lieber weiter den Daily Mail Artikel über die angebliche Vergangenheit des Passagiers (Poker-Spieler, vorbestraft), obwohl das a) null Relevanz hat, und sich b) inzwischen auch herausgestellt hat, dass das Käseblatt da in bester Daily Fail Manier wohl den falschen David Dao recherchiert hat.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Sheremetyevo » 13.04.2017 13:57:38

Nachdem ich zunächst auch ungläubig den Kopf geschüttelt habe, sehe ich - basierend auf den öffentlich gemachten Informationen - United grundsätzlich im Recht. Auch wenn der Grund der Überbuchung bei United zu suchen ist - und United hierfür den Passagier zu entschädigen hat - hat United Hausrecht und kann entscheiden, ob und wer am Boden bleiben muss. Überbuchungen kommen täglich vor und werden in aller Regel auch einvernehmlich mit den betroffenen Passagieren geregelt. Die vorliegende Eskalation ist ja offensichtlich nur entstanden, da sich der betroffene Passagier hartnäckig geweigert hat, trotz angebotener und marktüblicher bzw. im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften liegender Entschädigungszahlung und Androhung von Polizeigewalt, das Flugzeug zu verlassen. Sicherlich hätte man zunächst noch weitere Alternativen prüfen können (Erhöhung der Entschädigungszahlung, Umbuchen der eigene Crew), letztendlich wäre es aber auch unfair gegenüber den anderen Passagieren gewesen, den Abflug weiter zu verzögern bzw. einen anderen, weniger renitenten Passagier aus dem Flugzeug zu verweisen.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Alster68 » 13.04.2017 14:29:49

Zak hat geschrieben:Passend zum Thema - der Passagier bereitet jetzt eine Klage vor: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/uni ... 43174.html

So weit wenig überraschend, aber bemerkenswert finde ich zwei Nebensätze in dem Artikel:

(United-CEO) Munoz ... sprach ... von einem "Systemfehler". United habe für seine Führungskräfte kein Verfahren etabliert, das diesen ermögliche, ihren "gesunden Menschenverstand" zu benutzen.

Das ist bei anderen US-Airlines inzwischen besser. AA und insbesondere DL haben bereits vor Jahren angefangen, interne Abläufe umzukrempeln, um dem Passagier gegenüber besser auszusehen. Dazu gehört es auch, Angestellte mit gewissen Entscheidungskompetenzen auszustatten, auch um ihre Motivation und ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber zu verbessern.

UA hat das komplett verpennt.

Und:
Kurz nach dem Vorfall hatte Munoz das Vorgehen der United-Mitarbeiter noch verteidigt.

Was die interne Einstellung bei UA relativ exakt wiedergibt. Der CEO hat inzwischen verstanden, dass man damit ab jetzt aber wohl nicht mehr durchkommt. Bei den Mitarbeitern ist die Message aber noch lange nicht angekommen. Da zitiert man lieber weiter den Daily Mail Artikel über die angebliche Vergangenheit des Passagiers (Poker-Spieler, vorbestraft), obwohl das a) null Relevanz hat, und sich b) inzwischen auch herausgestellt hat, dass das Käseblatt da in bester Daily Fail Manier wohl den falschen David Dao recherchiert hat.


Herrlicher Beitrag, Zak, und gut recherchiert! Das ändert meine Sicht auf den Vorfall tatsächlich. Wie gesagt, solche Vorfälle haben - neben dem herben Beigeschmack - durchaus gute Seiten; In diesem Falle eine grundsätzliche Sensibilisierung
zum Thema "Umgang mit überbuchten Passagieren" und das über UA hinaus.

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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 13.04.2017 17:25:14

Sheremetyevo hat geschrieben:Nachdem ich zunächst auch ungläubig den Kopf geschüttelt habe, sehe ich - basierend auf den öffentlich gemachten Informationen - United grundsätzlich im Recht. Auch wenn der Grund der Überbuchung bei United zu suchen ist - und United hierfür den Passagier zu entschädigen hat - hat United Hausrecht und kann entscheiden, ob und wer am Boden bleiben muss. Überbuchungen kommen täglich vor und werden in aller Regel auch einvernehmlich mit den betroffenen Passagieren geregelt. Die vorliegende Eskalation ist ja offensichtlich nur entstanden, da sich der betroffene Passagier hartnäckig geweigert hat, trotz angebotener und marktüblicher bzw. im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften liegender Entschädigungszahlung und Androhung von Polizeigewalt, das Flugzeug zu verlassen. Sicherlich hätte man zunächst noch weitere Alternativen prüfen können (Erhöhung der Entschädigungszahlung, Umbuchen der eigene Crew), letztendlich wäre es aber auch unfair gegenüber den anderen Passagieren gewesen, den Abflug weiter zu verzögern bzw. einen anderen, weniger renitenten Passagier aus dem Flugzeug zu verweisen.

Ob United im Recht war, ist umstritten (allerdings auch nicht ausgeschlossen).

Was aber definitiv nicht gerechtfertigt war, war der Polizeieinsatz. Es handelte sich hier um eine zivilrechtliche Auseinandersetzung, und von dem Passagier ging keine Gefahr aus. Die Polizei ist nicht dazu da, UA's interne Policies durchzusetzen.

Es spricht ja auch für sich, dass gegen den Passagier bisher weder Anklage erhoben wurde, noch ermittelt wird. Wohingegen die Polizisten inzwischen alle suspendiert wurden.

Nach "im Recht sein" sieht das erstmal nicht aus.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon LevHAM » 13.04.2017 23:58:23

Naja, wenn ein Lokführer oder Zugführer jemanden aus dem Zug schmeißen möchte (das Hausrecht durchsetzen), kann dieser auch die Polizei anfordern, wenn diese Person. Ich freiwillig den Zug verlässt. In dem Zusammenhang interessiert die Polizei auch gar nicht das warum, sondern nur dass ...

Wie auch immer. Ich selber habe lange Jahre in verschiedenen Positionen in der Passagier- und Flugzeugabfertigung gearbeitet. Dort wurde immer so gehandelt, dass eine Person, die einmal geboarded ist auch geboarded bleibt (solange sie denn auch auf den Flug gehört, versteht sich :wink: ).

Eigentlich müsste man diese ganzen Beiträge Mal aus dem Thread hier heraus holen und nach Luftfahrt allgemein Verschieben. Bis auf eventuelle schlechte Auswirkungen hat die ganze Geschichte ja eher weniger mit unserem UA-Flug zutun.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 14.04.2017 00:55:51

LevHAM hat geschrieben:Naja, wenn ein Lokführer oder Zugführer jemanden aus dem Zug schmeißen möchte (das Hausrecht durchsetzen), kann dieser auch die Polizei anfordern, wenn diese Person. Ich freiwillig den Zug verlässt. In dem Zusammenhang interessiert die Polizei auch gar nicht das warum, sondern nur dass ...

Auch das sehe ich nicht so. Es ist zwar sicher der Regelfall, dass, wenn die Polizei zu solchen Situationen gerufen wird, auch ein guter Grund dafür vorliegt und von der zu entfernenden Person eine erhebliche Störung oder sogar eine Gefahr ausgeht.

Ist allerdings aus der Situation ersichtlich, dass dies nicht der Fall ist, wird die Polizei das sehr wohl interessieren.

Ich habe so einen Fall selber mal erlebt, und zwar als zu entfernende Person. Ich war mit Freunden nach einem Disco-Besuch bei McDonald's - komplett nüchtern, weil ich den Abend gefahren bin. Mein georderter Burger stellte sich als kalt und pappig heraus, weshalb ich zurück zum Tresen ging und mich höflich beschwert und um einen neuen Burger gebeten habe. Die Dame am Tresen (die sich später als Restaurantleiterin herausstellte) wurde daraufhin sofort ausfallend. Das widerum wollte ich mir nicht bieten lassen und habe nach ihrem Namen gefragt, damit ich mich über sie beschweren kann.

Daraufhin meinte sie, ich hätte jetzt Hausverbot und solle mich sofort vom Acker machen, sonst würde sie "die Cops rufen". Womit ich in dem Moment kein Problem hatte. Und nachdem ich keine Anstalten machte zu gehen, hat sie tatsächlich über 110 die Polizei gerufen.

Die war auch flugs da, hat mich aber keinesfalls gleich entfernt, nur weil die Dame ihr - zweifelsohne vorhandenes - Hausrecht ausüben wollte. Stattdessen haben sie mich erstmal gefragt, was los war, ich hab es ihnen ruhig geschildert, und sie haben wohl schnell gemerkt, dass ich eben nicht der typische besoffene Randalebruder bin (zumindest an dem Abend nicht :twisted: ). Andere Gäste haben zudem meine Version bestätigt, und daraufhin hat die Restaurantleiterin von den Polizisten dann einen deutlichen Einlauf bekommen. Und ich kurz darauf einen neuen Burger.

Es ist also keinesfalls so, dass Polizisten auf Zuruf eines Hausrecht-Inhabers immer Flug-, Fahr- oder sonstige Gäste entfernen werden. Statt dessen werden sie sich erstmal ein Bild von der Lage machen und dann entscheiden, ob sie eingreifen müssen oder nicht.

Hätten die Polizisten in Chicago das auch getan, statt mit blindem Eifer handgreiflich zu werden, hätten sie jetzt noch einen Job. Denn der Passagier hatte ein gültiges Ticket, und von ihm ging keine offenkundige Gefährdung aus. Und UA's zweifelhafte Überbuchungs-Policy durchzusetzen ist eben nicht Aufgabe der Polizei. Schon garnicht gewaltsam.
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon JU52 » 14.04.2017 11:11:47

@ZAK, mag evtl. für die USA zutreffen, aber wenn du in Deutschland bei McDo (im Lokal) einen Burger reklamierst und dich nach Aufforderung weigerst zu gehen, wird die Polizei feststellen, dass du zwar zivilrechtliche Ansprüche wegen des Burgers geltend machen kannst. (keine Zuständigkeit der Polizei), aber gehen musst du dennoch, tust du es nicht, begehst du eine Straftat (Zuständigkeit der Polizei) und die Beamten werden dich auffordern zu gehen, kommst du dem nicht nach, führen sich dich hinaus (wenn erforderlich mit Gewalt).

Du kannst das ja gerne testen, wirst dann aber die hier gültigen Rechtsvorschriften kennenlernen :wink:
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Zak » 14.04.2017 13:39:38

JU52 hat geschrieben:@ZAK, mag evtl. für die USA zutreffen, aber wenn du in Deutschland bei McDo (im Lokal) einen Burger reklamierst und dich nach Aufforderung weigerst zu gehen, wird die Polizei feststellen, dass du zwar zivilrechtliche Ansprüche wegen des Burgers geltend machen kannst. (keine Zuständigkeit der Polizei), aber gehen musst du dennoch, tust du es nicht, begehst du eine Straftat (Zuständigkeit der Polizei) und die Beamten werden dich auffordern zu gehen, kommst du dem nicht nach, führen sich dich hinaus (wenn erforderlich mit Gewalt).

Du kannst das ja gerne testen, wirst dann aber die hier gültigen Rechtsvorschriften kennenlernen :wink:

Was ich da beschrieben habe, ist mir nicht in den USA passiert, sondern hier in Deutschland.
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Re: United-Vorfall in Chicago

Beitragvon JU52 » 14.04.2017 13:54:26

Ok - siehe PN...
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Re: United Airlines in Hamburg

Beitragvon Okke » 14.04.2017 13:55:57

Zak hat geschrieben:(...)
Was ich da beschrieben habe, ist mir nicht in den USA passiert, sondern hier in Deutschland.


Das bezweifle ich nicht, jedoch hätte nach deutschem Recht die Filialleiterin auf ihr Hausrecht bestehen können und dann hätte die Polizei ihr bei der Durchsetzung ihres Hausrecht behilflich sein müssen.
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